Retrospektive – Expertenabend „Digitale Transformation & Einflüsse auf den Arbeitsplatz von heute und morgen“

Am 24.09.2015 fand unser Expertenabend zum Thema „Digitale Transformation & Einflüsse auf den Arbeitsplatz von heute und morgen“ statt. Zum Auftakt der Diskussionen konnten wir Prof. Dr. Frank Schönefeld begrüßen, der uns mit einem Impulsvortrag auf das Thema anstimmte. Es folgte ein rege Diskussion unter den 20 Teilnehmern des Abends. An diese Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Prof. Dr. Frank Schönefeld.

Für alle interessierten nachfolgend die Vortragsunterlagen:


Des Weiteren hatten wir als Journalistin Rosa Hauch zu Besuch, welche ebenfalls rege zum Thema beitragen hat und als Nachlese zum Abend einen Artikel verfasst hat, der die Diskussionen wunderbar eingefangen hat. Diesen möchten wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten, an dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an Rosa Hauch:

Wenn die Roboter-Crew einen Betriebsrat gründet
Wie wir täglich der digitalen Welt entgegen eilen

 

Wahrscheinlich wird sich das Roboterteam zuerst bei Infineon organisieren. In der 200 Millimeter Wafer-Produktion verfügt das Unternehmen gegenwärtig über die am höchsten automatisierte Produktionsstrecke der Welt.

Und während im Dresdner Industriegelände die geheime Abstimmung der Roboter läuft, verliert fast jeder zweite Arbeitnehmer in den USA seinen Job. 47 Prozent aller von Menschen ausgeführten Tätigkeiten, so sagen Experten voraus, könnten durch Roboter und Automatisierung ersetzt werden. Ein Horrorszenario? Nein. Alltag der digitalen Transformation.

Die technische Entwicklung legt ein bisher nicht gekanntes Tempo vor. Die zu erwartenden Veränderungen in Wirtschaft, Handel, Lernen und Privatleben werden weit über das hinausgehen, was wir heute in den Geschichtsbüchern über die industrielle Revolution lesen. Die Maschinenstürmer von heute sind die Taxifahrer, die gegen das UBER-Modell revoltieren und Autos anzünden.

UBER ist ein Taxi-Unternehmen ohne Taxen, Wimdoo die Hotellerie ohne eigene Immobilien.

Daten mit Grips

In den kommenden fünf Jahren wird sich das auf der Welt befindliche Datenvolumen verfünffachen, vorsichtig geschätzt. Warum? Weil es möglich ist. Aktuell gibt es zwei Milliarden Smartphones weltweit. Deren Leistungsfähigkeit verdoppelt sich aller zwei Jahre, für den gleichen Preis.

Sächsische Unternehmen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Global Foundries agiert auf einer Reinraumfläche, die der Ausdehnung von acht Fußballfeldern entspricht. Bis 2020 kann man sich dort vorstellen, 50 Milliarden Dinge digital zu verknüpfen. Dann sprechen der Kühlschrank mit dem Lieferservice, der Drucker mit seinem Patronendealer, das Fitnessarmband mit dem Arzt, die Lagerregale mit ihren Zulieferern und das Smartphone ist die Schaltzentrale.

Fotografen mit neuen Geschäftsideen

Seit es digitale Kameras in allen Smartphones gibt, ist die Fotobranche erheblich durcheinander geschüttelt worden. Jeder kann alles knipsen. Unabhängig von Bildidee, ästhetischem Können und professioneller Bearbeitung, Fotos entstehen erstmal bei jedem. Nicht immer sind die Ergebnisse entsprechend hochwertig. Doch Ansprüche verändern sich und viele Studios mussten schließen. Wissenschaftlich wird Fotografie im 21. Jahrhundert anders erforscht, analoge Kameras werden nur noch in Manufakturen gebaut und Fotografen suchen sich neue Geschäftsfelder. LiveBlogging ist ein Beispiel dafür. Wenn Fotos aus unterschiedlichsten Quellen so auf eine Internetseite gebracht werden, dass der Zuschauer kaum zeitversetzt das Geschehen verfolgen kann, ist das eine neue Qualität der Berichterstattung. Zwei gelernte Fotografen wollten nicht verhungern. Sie besannen sich ihrer Talente und haben ihren Beruf neu erfunden.

Kreatives und Soziales wird bleiben

Nur Historiker können uns heute noch darüber unterrichten, welche Verwerfungen es gab, als Muskelkraft durch Maschinenkraft ersetzt wurde. Wir alle stehen mitten in einem Prozess, indem menschliche Intelligenz durch das unendliche Duplizieren der in Software geronnenen Intelligenz ersetzt wird. Maschinen denken mit, denken prozessbezogen schneller, denken umfassend. Maschinen bieten Lösungen an, haben keine Montagslaune und keinen Beziehungsstress. Noch gehört der Gedanke des Roboter-Betriebsrates in die Science Fiction-Abteilung. Noch machen wir uns allerdings auch zu wenig Gedanken um das digitale Zeitalter. Noch fehlt die Konsequenz. Wenn sich alle über automatisierte Abläufe freuen, verlieren wir unsere koordinativen Fähigkeiten. Schaltfaule fahren Automatik. Gleichzeitig verlieren sie perspektivisch die Fähigkeit, dass die linke Hand etwas anderes tun kann als die rechte. Manuelle Intelligenz jedoch hat in der Welt der Roboter unbesiegbare Stärken, genau wie kreative Intelligenz und soziale Intelligenz. Darin sind wir Menschen allen unseren digitalen Schöpfungen überlegen.

Loslassen, Entdecken und Festhalten

Es gab Zeiten, da lief der Mensch an jedem Tag 30 Kilometer. Dann erfand er allerhand Bequemes, freute sich daran und ward fett und krank. Er dachte nach und erfand Fitnessprogramme. Die gleiche Spezies wollte sich auch die Mühen des Sattwerdens erleichtern und erfand Fastfood und Dosenfutter. Dumm nur, dass das Verdauungssystem damit nichts anfangen kann. Alles auf Anfang, jetzt gibt’s City-Gardening, Möhrchen anbauen ohne eigenen Garten sondern auf freien Flächen in Städten. Gärtnern ohne Garten. Schon wieder so eine neue Idee. Garantiert gibt’s zum Finden der Gärtnerplätze auch eine App. Willkommen in der digitalen Transformation. Sie existiert, per Mouse-Klick. Daran beißt auch eine analoge Maus keinen Faden mehr ab. Schließlich hat sie sich seit Mausgenerationen auch neue Wege gesucht. Gehörten um 1900
46 Prozent der Wirtschaft in die Landwirtschaft, sind es im 21. Jahrhundert 1,6 Prozent. Katzen wissen, dass es der Mauspopulation nicht geschadet hat. Zugegeben. Die Zeilen erzählen überspitzt.

Doch Fakt bleibt, immer wenn etwas Neues unsere Bedürfnisse und Erwartungen zehn Mal mehr, besser und umfangreicher erfüllt als es ohne diese Innovation war, wird es sich durchsetzen. Das gilt für alle Generationen. Alter ist deshalb keine Ausrede, die Prozesse zu ignorieren und Jugend kein Privileg, dass einem alles zufliegt. Das generationenübergreifende Zusammenarbeiten können Menschen im Gegensatz zu Robotern ohne Update.

Gepflegt wird der Dialog zu diesen wichtigen Fragen unserer Zeit vom Förderverein Unternehmensführung an der Dresden International University e.V. Seit zwei Jahren engagieren sich die Gründer um den Gedankenaustausch und das Bündeln von Kompetenzen in der Region. Wissenstransfer ist der Anfang von allem.

Last not least, herzlichen Dank an alle die diese Veranstaltung unterstützt haben und teilgenommen haben, bleiben Sie uns gewogen – wir sind schon dabei das nächste Event zu organisieren.